Die Werke von Leila Pazooki mögen den Eindruck unterschiedlicher Ausrichtungen und vielfältiger Themenkreise erwecken, das Konzept von „Borders“ kann jedoch als wiederkehrender Hindergrund und allgemeines Thema betrachtet werden, das sich durch all ihre Projekte hindurch zieht. Es beginnt bei ihren frühen Untersuchungen von Ausdruckspotenzialen durch visuelle Veränderungen, die das ins Auge springende Moment von „verbotenen“ Bildern manipulieren und die „Grenzen“ visueller Verarbeitung hinsichtlich ihrer Akzeptanz herausfordern. Ihre visuelle Erforschung beinhaltet die Strategien der Überlagerung wie auch die partielle Eliminierung „unerlaubter“ Bilder, indem sie die „Grenzen“ „tolerierbarer“ und „verbotener“ bildlicher Darstellung verwischt.
In ihren neuesten Arbeiten setzt Pazooki ihre Erforschung der Medienwelt fort, indem sie die Gültigkeit oder Verlässlichkeit jener Botschaften hinterfragt, die „Grenzen“ überschreiten. Sie löst visuelle und textliche Elemente in den Zeitungen und Magazinen durch ein der Zensur ähnliches Ausschlussverfahren auf, welches versucht, dem Bild seine Freiheit als unabhängiges Medium zurückzugeben. Obwohl wir uns bereits der Existenz des ursprünglichen Mediums bewusst sein und gewisse Empfänglichkeiten hinsichtlich der Wahrnehmung von Inhalten oder Konnotationen innerhalb dieser spezifischen Inhalte haben mögen, werden wir dazu eingeladen, die Bilder anders zu betrachten. Sie sieht diese Herangehensweise als Weg, verschiedene Möglichkeiten der persönlichen Interpretation von Bildern zu schaffen, welche ursprünglich an den sie begleitenden textlichen Inhalt gebunden waren, wodurch uns eine unvoreingenommene Betrachtung des Bildes in den Medien verwehrt geblieben war. In den neuen visuellen Kompositionen, welche aus dem Ausschlussverfahren hervorgehen, kann möglicherweise eine bisher verborgene Schicht von Erzählungen erfahrbar werden.
Pazookis kontinuierliche Untersuchungen erreichen in ihren jüngsten Projekten eine abstraktere Stufe. Sie suggerieren eine Tendenz in Richtung globalem Interesse an der Rolle, die Medien und Information in unserer Wahrnehmung und Mentalität, unserem Erkenntnisprozess, unseren zwischenmenschlichen Beziehungen und anderen nicht zwingend an geografische oder politische „Grenzen“ gebundene Themen spielen. Ihre Arbeiten können als Beitrag zum Kampf gegen Dogmen und „Grenzen“ gesehen werden, die unsere Welt durch ideologische und politische Vorurteile geprägt haben.